Harley-Davidson, Die ersten Jahre

Die Harley-Davidson-Motorräder und ihre Geschichte sind sich ähnlich: laut polternd, kraftstrotzend, ein unnachahmlicher Stil, nie von glatter Schönheit, aber auch mit einigen Schwächen. Die Chronik der ersten Jahre liest sich wie ein grosses Industrieepos. Besonders der jahrzehntelange Präsident Walter C. Davidson erscheint als mächtige Pionierfigur. Begonnen hat alles um die Jahrhundertwende, mit einer Jungenfreundschaft im mittleren Westen der USA.

William S. Harley, 1880 geboren, und der um ein Jahr jüngere Arthur Davidson, kannten sich seit der ersten Klassen ihrer Schulzeit in Milwaukee, Wisconsin. Harley lernte Mechaniker und Monteur und mit 18 Jahren ging er als technischer Zeichner in eine Metallfabrik, in der Davidson schon als Formengiesser arbeitete. Damals kamen die ersten, noch unvollkommenen Benzinmotoren auf, für die sie sich gleich interessierten. Konnte man doch damit die anstrengenden sonntäglichen Fahrradtouren und Ruderpartien erleichtern. Sie studierten Bücher und bauten schliesslich ihre ersten drei Motörchen.

Es waren schamlose De-Dijon-Kopien und erst der Dritte konnte ihr Boot antreiben. Dadurch ermutigt, entwickelten sie einen kleinen Fahrradeinbau-Einzylindertriebling. Ihr Baby konnte sich schon bald mit vergleichbaren Motoren der bereits etablierten Firmen Indian, Pope oder Thor messen. 1902 stiess Arthurs vier Jahre älterer Bruder Walter Davidson aus Kansas, wo er Eisenbahnmaschinist gewesen war, zu ihnen. Er half bei der Herstellung des ersten motorisierten Fahrrades das schliesslich auch funktionierte. Der Motor war zuverlässig und brachte das Rad auf ca. 40 km/h, aber die schlechten Strassen sowie die schwachen Rohre sorgten regelmässig für Rahmenbrüche.

Harley konstruierte daraufhin einen stärkeren Motor und baute ihn in einen stärkeren Rahmen. Aber auch so kamen sie nicht weiter. Harley und Arthur Davidson beschlossen also, statt eines motorisierten Fahrrades ein richtiges Motorrad zu bauen. Die Herstellung dieses ersten Motorrades, der ersten Harley-Davidson, hatten sie schliesslich im Frühjahr 1903 beendet.

Man geht davon aus das sie 1903 nur diese Eine gebaut haben. Gefahren wurde diese Erste, Getriebe und Kupplungslose H-D, indem man die Pedale tretend das Ding auf etwa 10 km/h brachte und dann per Hand- oder Fusshebel den Antriebsriemen spannte, das er den Motor anwarf. Trieb der Riemen dann das Hinterrad an konnte man die Füsse auf den Pedalen ausruhen. Die Gaszufuhr war nicht besonders gut zu regeln. Wollte man schneller oder langsamer fahren, so half man sich mit der Zündverstellung sowie mit mehr oder weniger Riemenanpressdruck. Bei Leerlauf war der Riemen lose und er diente auch als Kupplung. In einem kleinen Holzschuppen hinter dem Haus der Familie Davidson stellten die Freunde Drehbank, Bohrmaschine und einen kleinen Kanonenofen. Auf der roh gezimmerten Holztür war zu lesen wer da zu Hause war: Die Harley-Davidson Motor Company!

Ihr erster Auftrag 1904 waren zwei zur Hälfte vorfinanzierte Motorräder. 1905 waren es 10 und sie erwarben das Gelände das einmal unter dem Strassennamen Juneau Avenue weltberühmt werden sollte. In einem zweistöckigen Holzbau fertigten sie 1906 mit mehr und besserem Werkzeug 49 Bikes.

1907 waren es schon 152 Einheiten und am 22. September wurde bei einem Notar die Harley-Davidson Motor Company of Milwaukee offiziell gegründet. Kurz darauf holten sie noch den ältesten der Davidson-Brüder, William A. Davidson ins Team. Noch 1907 entwarf Harley die Springergabel. Die damals beste Vorderradfederung auf dem Markt, sollte - nur wenig verändert - die nächsten vierzig Jahre beibehalten werden.

Im Jahr 1908 schafften sie 456 H-D's und Harley entwarf einen verbesserten Rahmen, ausserdem den neuen 35-cubic-inch Motor der nun 5 PS hergab. Das Modell erhielt den Firmennamen 5-35 und wurde als "The Silent Grey Fellow" populär. Auf der Basis dieses Motors wurde der erste H-D-V-Twin entwickelt der bei nur wenig mehr Gewicht fast doppelte Leistung brachte. Von Anfang an standen die Zylinder im klassischen 45-Grad-Winkel.

Der 61-cubic-inch-Ur-V2 wurde 1909 auf den Markt gebracht.

Schon 1910 wurde die Fabrik erheblich vergrössert, fast 500 Arbeiter produzierten 1911 gut 6'000 Maschinen, 1912 schafften dann 1'000 Mann in dem nochmals erweiterten Werk 11'000 Stück. Harley-Davidson war zum Konkurrenten des noch über doppelt soviel umsetzenden Branchenführers Indian geworden.

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